Interview mit Johannes Angerbauer

Das Interview wurde per email geführt.

A:Welche Bedeutung hat für Dich als Künstler das Medium Internet? Was interessiert Dich an diesem "Netz"?

J:das Verbindende. das web als zeitgenössisches, demokratisches und globales medium - wie eben auch das soziale gold in meiner arbeit. das internet als informations- und materialquelle für den sozialen prozess meiner projekte. als aktuelles beispiel: im zuge meiner 56. handlung, der "T.A.Margareta", trat das kölner sozialprojekt "Medica Mondiale", eine hilfsorganisation für kriegstraumatisierte mädchen und frauen im kosovo, über den suchbegriff "folter" in mein projekt ein. es entstand daraus eine direkte verbindung zwischen den Goldobjekten und der Linderung menschlichen leids bei weiblichen folteropfern. die ort-, zeit- und branchenunabhängigkeit bei der nutzung des webs als werkzeug für eine erweiternde informations- bzw. dokumentationsebene meiner arbeit. das netz als meine globale schublade für ideen, skizzen, konzepte und zukünftige projekte.

A:Johannes Angerbauer/www.ta-art.com Kunst & Internet Welche Erfahrungen hast Du gemacht, seit Du mit Deiner eigenen Webadresse im Netz bist?

J:eine grenzen überschreitende vernetzung von arbeit und theorie. als beispiel die einbindung meiner arbeit in die diplomarbeit einer sozialpädagogin aus emden - erarbeitet von ihr durch ihre eingabe des suchbegriffs "soziale kunst" bei altavista, oder meine page als permanente informationsquelle für die magisterarbeit einer werdenden kunsthistorikerin aus köln. hauptthema der arbeit: "die rückkehr des goldes zur erde". meine seite dient aber auch immer stärker als aktuelle informationsebene für die sammler und besitzer von T.A. objekten. der prozess meines kunstwegs lässt sich leichter begleiten. der goldene glanz meiner objekte entwickelt dadurch immer kräftigere soziale, menschliche wärme in den herzen der rezipienten - so meine hoffnung.

A:Welche Pläne hast Du bei artformation.com?

J:eine schärfung der goldenen sinne durch tägliches transmitting und den begleitenden wiedereinstieg meiner arbeit in einen, den kunstweg dokumentierenden und erweiternden objektbereich. die öffnung eines zugangs für internetuser zu meiner "goldsicht der dinge". die "tagebuch" bildebene als einen ideen- und skizzenspeicher für spätere projekte.

A:Du "gehst" ja seit Jahren regelmässig auf Kur nach Bad Goisern. Ein Ritual?

J:mein körper scheint immer wieder ein ritual der erneuerung und reinigenden erweiterung anzustreben. ich "teile mich noch zu schnell" - bin der zeit zuweit voraus, wie ich meine. 27-28 tage braucht eine hautzelle um zu reifen. bei psoriasis ereignet sich dieser prozess in 3-4 tagen. entzundene zeitzeichen sind die oberflächlich, ästhetische folge.

A:Stell Dir vor, Du liegst ganz entspannt in der Jodschwefelbadewanne und ein UFO (kleines) landet auf dem Wannenrand. Wie würdest Du reagieren?

J:wie bei allen vorangegangenen landungen: mit der bitte an die besucher doch etwas später vorbeizukommen um im trockenen, in ruhe, zu plaudern.

geführt am fr 03. 02. 2000

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